Greenpeace: Aus für KFZ-Auspuffmessungen völlig unverantwortlich

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert das heute angekündigte Aus für Abgasmessungen am Auspuff und fordert verschärfte Abgastests bei der Pickerl-Überprüfung. Ansonsten könnten rund 150.000 Fahrzeuge mit gesundheitsgefährdenden Mängel jährlich auf Österreichs Straßen landen. Internationale Studien zeigen, dass sogenannte On-Board-Diagnosen durch ein reines Auslesen von Computerdaten allein nicht ausreichen, um Mängel oder Manipulationen in der Abgasreinigung zu entdecken. Statt die Auspuff-Messungen abzuschaffen, müssen diese massiv verbessert werden, fordert Greenpeace. Dazu gehören etwa neue, an der TU Wien entwickelte Verfahren, mit denen neben Feinstaubpartikeln auch die Stickoxide rasch und kostengünstig gemessen werden können. Deutschland hat – so wie Belgien und die Niederlande – nach Auffliegen des Dieselskandals die Auspuff-Messungen Anfang dieses Jahres wieder eingeführt.

In Österreich drohen Mängel an rund 150.000 Fahrzeugen pro Jahr unentdeckt zu bleiben

„Wir haben eindrucksvoll erlebt, wozu Autokonzerne fähig sind, wenn es um Gewinnmaximierung mit veralteter, schmutziger Technologie geht“, sagt Greenpeace-Sprecher Volker Plass bezugnehmend auf die jüngsten Berichte aus Deutschland über Abgastests mit Affen und Menschen. Und weiter: „Das Aus für Abgastests am Auspuff ist völlig unverantwortlich. Mit diesem Schritt agiert Verkehrsminister Norbert Hofer gegen den europäischen Trend und macht sich so zum indirekten Unterstützer illegaler Methoden der Autolobby. Anstatt die gesundheitsgefährdenden Dreckschleudern aus dem Verkehr zu ziehen, sorgt er für noch mehr Luftverschmutzung und gefährdet damit Menschenleben.“ Laut dem „Air Quality Report 2017“ der Europäischen Umweltagentur sind Schadstoffe wie Feinstaub, Stickoxide und Ozon bereits jetzt in Österreich für über 8.500 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

Eine groß angelegte Studie der deutschen Projektgemeinschaft „Emission Check 2020“, an der auch der TÜV beteiligt war, belegt klar, dass On-Board-Diagnosen in Kombination mit Auspuff-Messungen abgasrelevante Mängel am besten aufzeigen. Mit On-Board-Diagnosen allein können Defekte bei Partikelfiltern nicht in allen Fällen nachgewiesen werden. Auch Manipulationen der Software durch „Chiptuning“, die Anwendung von AdBlue-Emulatoren oder ein Ausbau des Partikelfilters bleiben damit unentdeckt. „On-Bord-Analysen der Computerdaten und Auspuff-Messungen ergänzen einander. Nur in Kombination dieser beiden Verfahren können Mängel mit größter Wahrscheinlichkeit entdeckt werden. Verzichten wir auf einen Teil, bleiben zukünftig bei einer Umlegung der deutschen Studiendaten auf Österreich Mängel an mehr als 150.000 Fahrzeugen pro Jahr unentdeckt“, kommentiert Plass die heutige Pressekonferenz von ÖAMTC, ARBÖ und Verkehrsministerium. „Verkehrsminister Hofer muss die gesundheitsgefährdenden Dreckschleudern endlich von der Straße verbannen. Das wird nicht gelingen, wenn Österreich in Zukunft auf einen wichtigen Teil der Abgasmessungen verzichtet“, so Plass.

Die Studie der deutschen Projektgemeinschaft „Emission Check 2020“ finden Sie unter: http://bit.ly/2Erv5qh

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